Bachelorarbeit Kevin-Jan Groß

 

Kostenstruktur von Gebäudeautomationssystemen

Kostenstruktur Urheberrecht: EBC Kostenstruktur von Gebäudeautomationssystemen

Gebäudeautomationssysteme ermöglichen Energie- und ferner Kosteneinsparpotentiale von ungefähr 20 % in der Betriebsphase. Automatisierte, intelligente Systeme sind jedoch europaweit in weniger als einem Viertel der Gebäude integriert. Ähnliches gilt für Deutschland. Die geringe Verbreitung, trotz der Einsparmöglichkeiten, könnte in der Unsicherheit bezüglich der Amortisation begründet liegen. Letztere ist auf mangelnde Informationen über Kostenstrukturen bezüglich Gebäudeautomationssystemen zurückzuführen. Zur Steigerung der Systemverbreitung und der damit einhergehenden intensiveren Ausnutzung der Energieeinsparpotentiale, ist es nötig Kosteneinsparpotentiale bei der Realisierung von Gebäudeautomationssystemen aufzuzeigen. Grundlage dafür bildet die Ermittlung der Kostenstruktur dieser Systeme in Deutschland über die drei Phasen ihres Lebenszyklus.

Die Phasen gliedern sich in Planung, Errichtung und Betrieb. Die Kosten der Abschnitte wurden auf Grundlage von Literaturquellen ermittelt. Konkrete Zahlen aus den Quellen sind in Folge der unterschiedlichen Systeme nicht direkt miteinander vergleichbar, sodass aus Zusammenhängen auf potentielle Kostentreiber geschlossen wird. Hierbei erwies sich die fehlende Aktualität der Publikationen als zusätzliches Hindernis bei der Bestimmung gegenwärtiger, realer Kosten. Aufgrund dessen wurde ein Fragebogen erarbeitet, der an Planer, Hersteller und Anbieter von Gebäudeautomationssystemen versendet und dessen Ergebnisse mithilfe deskriptiver Statistik und geeigneten Diagrammen ausgewertet wurden. Für die Repräsentativität der statistischen Ergebnisse erwies sich der geringe Rücklauf, 8 von 47 Fragebögen, als einschränkend.

Die Personalkosten stellen in allen Realisationsphasen den größten Kostenfaktor dar. Die Planungsphase wird ausschließlich von Personalkosten bestimmt. In der Ausführungsphase beträgt der Anteil der Personalkosten 60 %. In der Betriebsphase liegt der Personalkostenanteil innerhalb der Wartungskosten bei 90 % und innerhalb der Instandhaltungskosten bei 80 %. Die Arbeit zeigt weiterhin, dass sowohl die Kosten, als auch die Einsparpotentiale, insbesondere von der Objektart abhängen. So sind Nachrüstungen in Altbauten mit höheren Kosten verbunden, wobei sich in diesem Fall ebenfalls höhere Einsparungen erzielen lassen. Über den gesamten Realisierungsprozess der Gebäudeautomation erweist sich eine gewerkegetrennte, heterogene Planung als Kostentreiber. Eine gewerkegetrennte Planung erschwert die Installation und Konnexion der Geräte sowie die Nutzbarmachung von Synergien zwischen den Gewerken im Betrieb. Ein weiterer Kostentreiber ergibt sich aus fehlenden Standards und folglich hohen Einbindungskosten bei heterogenen Systemen. Die möglichen Einsparpotentiale weisen quellenabhängig eine große Streuung auf, sodass eine Amortisationszeitberechnung erschwert wird.

Die Personalkosten könnten in der Planungsphase durch eine Automation der Planungsprozesse gesenkt werden. Jedoch stehen einer potentiellen Kostensenkung die festen Honorarsätze der HOAI entgegen. In der Ausführungs- und Betriebsphase ist eine Senkung der Personalkosen durch die Automatisierung von Programmier- und Einrichtungsprozessen erreichbar. Funkbasierte, Plug-and-play-fähige Geräte könnten die Ausführungskosten nahezu um den Anteil der Personalkosten senken. Für die Erhöhung der Einsparpotentiale und Kostensenkungen während der Ausführungsphase stellt eine integrative Planung mit Softwareunterstützung durch Building Information Modeling ein weiteres Potential dar. Schließlich würde eine umfassende Normierung der Gebäudeautomation Entwicklungsprozesse vereinfachen sowie die Vergleichbarkeit bei Vergabe und Ausschreibung und folglich die Konkurrenz der Unternehmen erhöhen.

Zukünftige Forschungsprojekte sollten sich mit der Entwicklung funkbasierter, Plug-and-play fähiger Geräte befassen. Eine umfassende Normierung böte Kostenvergleichbarkeit, Entwicklungserleichterung sowie einfachere Einrichtung. Die Einsparpotentiale betreffend, sind aktuelle Studien bezüglich der Amortisation notwendig, um die Potentiale von Gebäudeautomationssystemen gegenüber Bauherren deutlicher bewerben zu können.